Marcel Gerhard

Foto von Marcel Gerhard (312k) Picture of Marcel Gerhard Herxheim ist die erste und letzte Station seiner Laufbahn

Das Himmelfahrtsrennen am 7./8. Mai 1997 wird das "Marcel Gerhard Abschiedsrennen" sein.

Es ist definitiv: Der Schweizer Marcel Gerhard - jahrelanger Clubfahrer der Motorsportvereinigung Herxheim und Weltmeister des Jahres 1992 - wird im Alter von 42 Jahren beim diesjährigen Vatertagsrennen seine aktive Laufbahn beenden. Er meint, diese Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt getrofffen zu haben, da er für seine berufliche Zukunft derzeit gute Perspektiven sieht. Er will aber als Tuner dem Bahnsport verbunden bleiben.

Seine Karriere war wie kaum eine andere von Höhen und Tiefen gekennzeichnet. An der technischen Entwicklung sehr interessiert, hat er über lange Jahre Forschung und Entwicklung betrieben. Mit der Entwicklung niedrigerer Fahrgestelle mit liegend eingebauten Motoren hat er einen neuen Trend gesetzt. Auch hat er damit einen ganz spezifischen Fahrstil für die lange Bahn entwickelt, mit dem übrigens Gerd Riss nach weiterer Verfeinerung heute fast unschlagbar geworden ist. Daß bei soviel Experimentierfreunde am Rande des Limit auch manches in die Hosen ging, versteht sich von selbst. So gehörten Ausfälle und Stürze auch zu seinem Rennfahrerleben.

Sein Abschiedsrennen wird er auf der Bahn fahren, auf der am 16. September 1979 als 25-jähriger B-Lizenz-Fahrer auch sein erstes 1000-m-Rennen bestritt und das er nach einem ÆAusritt“ auf den Grünstreifen anstelle des fast sicher geglaubten Sieges Ænur“ mit einem 3. Platz beendete.

Als früherer Mitarbeiter von Meistertuner Otto Lantenhammer, der ihn auch zu diesem Sport gebracht hat,. verfügte er von Anbeginn über schnelles Material. Damit konnte er sich kontinuierlich in die Weltspitze vorarbeiten. Das Weltfinale in Herxheim im Jahre 1984 hat er dann mit einem 9. Platz beendet. Beim Weltfinale 1990 in Herxheim verhinderte ein technischer Defekt, daß er bereits damals den ersehnten WM-Titel mit in die Schweiz nehmen konnte. Es reichte dann nur für den 4. Platz.

Als Werksfahrer von Ex-Europameister und Motorenbauer Don Godden hat er in der Folgezeit sein Maschinenmaterial weiter perfektioniert. So sollte das Jahr 1992 dann schließlich sein Jahr werden. Er konnte die Früchte der langjährigen technischen und fahrerischen Fortentwicklung ernten. Der Sieg beim Himmelfahrtsrennen und der Gewinn des als Hauptpreis ausgeschriebenen Opel-Corsa bildeten den Saisonauftakt.

Alle Vorbereitungen aber waren auf den WM-Endlauf in Pfarrkirchen gerichtet. Diesmals sollte es klappen. Vier Motorräder wurden vorbereitet. Doch ein Sturz in Berghaupten nur eine Woche vorher und der Bruch des Schlüsselbeines schienen alles zunichte zu machen. Mit eisernem Willen und konsequenter Therapie hat Marcel Gerhard sich dennoch Æpräpariert“. Trotz aller Widrigkeiten gelang es ihm dann als Krönung seier Laufbahn doch in souveräner Manier in Pfarrkirchen den Weltmeistertitel zu gewinnen, nachdem er mehrmals haarscharf durch technische Defekte gescheitert war. Wie sehr es viele dem sympathischen Schweizer gegönnt haben, sieht man an der spontanen Äußerung des gerade Æentmachteten“ Weltmeisters von 1991, Gerd Riss: ÆWenn schon nicht ich, dann wenigstens Marcel. Er hat es verdient.“

Die Folgezeit war geprägt von persönlichen Schwierigkeiten. Sein schwerer Sturz in Harsewinkel schien das Ende seiner Karriere zu sein. Doch Marcel Gerhard faßte wieder Fuß und der alte Ehrgeiz und der Spaß am Rennfahren kamen zurück. Das Weltfinale in Herxheim am 8. September 1996, sein 12. Weltfinale überhaupt, konnte er mit einem ausgezeichneten 4. Platz beenden. Wer hätte dies vorher gedacht.

Als Clubfahrer war er immer für die Belange der MSVH stets ansprechbar. Ein Resumee über Marcel Gerhard am Ende seiner aktiven Laufbahn zu ziehen, fällt nicht schwer. Bei Fans und Veranstaltern hat er sich gleichermaßen Anerkennung erworben - nicht nur durch seinen spektakulären und unverwechselbaren Fahrstil. Gleichbleibend freundlich, kompetent in der Sache, sympathisch, aufmerksam zuhörend und zuverlässig waren und sind seine Wesensmerkmale.

Die MSV Herxheim hat ihrem Clubfahrer gerne die Plattform für sein Abschiedsrennen geboten - verdient hat er es allemal und seine Drifts, nicht nur auf der Herxheimer Bahn, werden allen Fans unvergessen bleiben.

Unsere besten Wünsche und ein herzliches Glückauf für "die Zeit danach" begleiten Marcel Gerhard.